Was kostet KI, was bringt sie, was riskiere ich?
Alles, was die Geschäftsführung für eine Entscheidung braucht, auf einer Seite: Wirtschaftlichkeit, Rechtslage, Beispiele aus Deutschland, Einkauf, Risiken, Förderung, Steuerung und Ausblick.
Wirtschaftlichkeitsrechner
Trage eigene Werte ein. Voreingestellt ist ein Beispiel für ein Unternehmen mit 50 Wissensarbeitenden, keine Prognose.
Die Zeitersparnis ist nur ein Wert, wenn die gewonnene Zeit sinnvoll genutzt wird. Die aktive Nutzung liegt in der Praxis oft deutlich unter 100 %. Microsoft meldet über 30 Mio. bezahlte Copilot-Lizenzen, nennt aber keine Nutzungsquote.
Quellen
Quellen der Annahmen: Zeitersparnis: Institut der deutschen Wirtschaft (2025): IW-Report „KI als Wettbewerbsfaktor“, 04.07.2025, 82 % der Unternehmen berichten Produktivitätsgewinne von durchschnittlich 13 % (dort aus einer anderen Studie zitiert), iwkoeln.de (PDF). Kostenstruktur: Bitkom e. V. (2026): Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“, 14.09.2026. Telefonische Befragung durch Bitkom Research von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland, KW 28–33/2026, repräsentativ. bitkom.org, abgerufen am 29.09.2026. Eigene Darstellung. Nutzungsquote: Annahme. Berechnung: eigene Darstellung.
Rechtlicher Fahrplan
Die KI-Verordnung gilt stufenweise. Die Hochrisiko-Pflichten wurden durch das „Omnibus“-Paket verschoben; der Rat hat dies am 29.06.2026 endgültig beschlossen. Die Verordnung (EU) 2026/1744 ist seit 27.07.2026 in Kraft; seit 29.07.2026 ist die Bundesnetzagentur zentrale Aufsicht in Deutschland.
Zeitstrahl der KI-Verordnung
Quellen
Quelle: Europäische Kommission, AI Act Service Desk: Timeline for the Implementation of the EU AI Act (inkl. Änderungen durch den Digital Omnibus on AI), ai-act-service-desk.ec.europa.eu; Rat der EU, Pressemitteilung vom 29.06.2026, consilium.europa.eu; abgerufen am 29.09.2026.
Bußgelder (Art. 99 KI-Verordnung)
Prozent vom weltweiten Jahresumsatz, jeweils der höhere Wert; für KMU und Start-ups gilt der niedrigere.
Quellen
Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689, Art. 99, AI Act Service Desk, abgerufen am 29.09.2026.
Mitbestimmung des Betriebsrats
Führt das Unternehmen ein eigenes KI-Werkzeug mit Firmenkonten ein, greift in der Regel das Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die Leistung oder Verhalten überwachen können (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Dazu kommen Unterrichtungsrechte (§ 90 BetrVG) und das Recht auf einen Sachverständigen bei KI-Fragen (§ 80 Abs. 3 BetrVG). Nur bei privaten Konten ohne Firmenzugriff auf Daten verneinte das ArbG Hamburg 2024 ein Mitbestimmungsrecht.
Praxis: Betriebsrat vor der Auswahl einbinden und eine Rahmen-Betriebsvereinbarung für KI abschließen. Das spart später Monate.
Quellen
Quellen: BetrVG (gesetze-im-internet.de); Gleiss Lutz zu ArbG Hamburg, Beschluss vom 16.01.2024, 24 BVGa 1/24, gleisslutz.com; abgerufen am 29.09.2026. Keine Rechtsberatung.
Persönliche Haftung der Geschäftsführung
Geschäftsleiter haften für Sorgfaltspflichtverletzungen (§ 93 AktG, § 43 GmbHG). Die Business Judgment Rule schützt nur, wer auf angemessener Informationsgrundlage entscheidet. Verlassen auf KI-Ergebnisse ohne menschliche Prüfung reicht dafür nicht; die Verantwortung bleibt bei den Personen, nicht bei der Maschine.
Praxis: KI-gestützte Entscheidungen dokumentieren (Werkzeug, Version, Eingaben, Prüfung), Zuständigkeiten klären, D&O-Versicherung auf KI-Risiken prüfen.
Quellen
Quellen: § 93 AktG, § 43 GmbHG; KPMG Law (19.03.2026): Business Judgement Rule beim KI-Einsatz, kpmg-law.de; abgerufen am 29.09.2026. Keine Rechtsberatung.
Fallbeispiele aus Deutschland
Was Unternehmen eingeführt haben, wie lange es dauerte und was sie öffentlich als Ergebnis nennen. Viele Firmen veröffentlichen keine Messwerte; das ist vermerkt.
Merck
Pharma, ChemieÜber 25.000 Nutzer, davon über 14.000 monatlich aktiv; über 3.000 von Beschäftigten gebaute Assistenten
- Was
- Interne KI-Plattform myGPT, seit 2025 auf Basis von Langdock
- Zeitraum
- Innerhalb von 6 Monaten von 10.000 auf über 25.000 Nutzer
- Modell
- Mehrere Modelle über Langdock
Quellen
Quelle: Langdock Customer Story, 01.12.2025, abgerufen am 29.09.2026.
Otto Group
HandelMonatlich aktive Nutzer von 3.800 auf rund 7.000 nahezu verdoppelt; fast 80 % der Nutzenden haben mehr Freude an der Arbeit
- Was
- Eigenes, datenschutzkonformes Werkzeug ogGPT für alle Beschäftigten
- Zeitraum
- Start September 2023; im ersten Jahr über 12 größere Funktionen ergänzt
- Modell
- Eigene Plattform
Quellen
Quelle: Otto Group Story, abgerufen am 29.09.2026.
Allianz
Versicherung80 % kürzere Bearbeitungs- und Auszahlungszeit bei Kleinschäden; Mensch entscheidet weiter
- Was
- KI-Agenten für Kleinschäden (Projekt Nemo, zuerst in Australien); globale Partnerschaft mit Anthropic seit Januar 2026
- Zeitraum
- Nemo live seit Juli 2025
- Modell
- Claude (Partnerschaft), eigene Agenten
Quellen
Quelle: Allianz, 03.11.2025 und 09.01.2026, abgerufen am 29.09.2026.
thyssenkrupp Automation Engineering
MaschinenbauZiel: anspruchsvolle Projekte in deutlich kürzerer Zeit; öffentlich keine Messwerte
- Was
- Siemens Industrial Copilot für Steuerungscode und Maschinenvisualisierung
- Zeitraum
- Angekündigt Nov. 2024, weltweiter Rollout ab 2025
- Modell
- Siemens/Microsoft
Quellen
Quelle: Siemens Pressemitteilung, 12.11.2024, abgerufen am 29.09.2026.
Deutsche Telekom
TelekommunikationLäuft mit Mistral Small 4 in der T Cloud, DSGVO-konform in EU-Rechenzentren; Messwerte folgen
- Was
- Voice AI Notes: fasst Geschäftstelefonate für Mittelständler zusammen
- Zeitraum
- Start in Business-Tarifen ab 05.10.2026
- Modell
- Mistral
Quellen
Quelle: Telekom Medieninformation, Sept. 2026, abgerufen am 29.09.2026.
Schwarz Gruppe
Handel, CloudAufbau eines souveränen KI-Angebots in Deutschland; öffentlich keine Messwerte zum internen Einsatz
- Was
- Ankerinvestor bei Aleph Alpha; führt nach der Fusion von Cohere und Aleph Alpha deren Finanzierung an (500 Mio. €); STACKIT soll technisches Rückgrat des souveränen KI-Angebots werden
- Zeitraum
- Investor seit 2023, Anteile von Bosch Anfang 2026 übernommen; Fusion Cohere/Aleph Alpha am 16.09.2026 vertraglich besiegelt (Abschluss steht noch aus)
- Modell
- Aleph Alpha / Cohere
Quellen
Quelle: Schwarz Gruppe, Pressemitteilung 28.01.2026; Schwarz Digits, abgerufen am 29.09.2026.
Deutsche Bahn
VerkehrÖffentlich keine Messwerte
- Was
- DeepL für Übersetzungen
- Zeitraum
- Kunde laut DeepL (2024)
- Modell
- DeepL
Quellen
Quelle: TechCrunch, 2024, abgerufen am 29.09.2026.
Einkaufs-Checkliste: 10 Fragen an jeden KI-Anbieter
Zum Abhaken im Gespräch mit Anbietern. Die Häkchen bleiben nur in deinem Browser gespeichert.
Quellen
Quelle: Eigene Zusammenstellung auf Basis der Befunde im Reiter „KI-Lieferkette“ sowie DSGVO Art. 28 und Verordnung (EU) 2024/1689. Keine Rechtsberatung.
Risiken jenseits des Datenschutzes
Falsche Antworten mit Folgen
Firmen haften für das, was ihre KI sagt. Ein Gericht in Kanada verurteilte Air Canada 2024, weil der Chatbot falsche Erstattungsregeln nannte; das Argument, der Bot sei eigenständig verantwortlich, wurde zurückgewiesen.
Gegenmittel: Menschliche Prüfung bei Kundenaussagen und Entscheidungen, Quellenangaben, klare Grenzen für den Chatbot.
Quellen
Quelle: Moffatt v. Air Canada, 14.02.2024, abgerufen am 29.09.2026.
Angriffe über manipulierte Eingaben
Prompt Injection steht auf Platz 1 der OWASP-Risiken für KI-Anwendungen. Versteckte Anweisungen in E-Mails, Webseiten oder Dateien können KI-Agenten zu falschen Aktionen oder Datenabfluss bringen.
Gegenmittel: KI-Agenten nur minimale Rechte geben, Ausgaben prüfen, Eingaben filtern, kritische Aktionen bestätigen lassen.
Quellen
Quelle: OWASP GenAI, LLM01:2025, abgerufen am 29.09.2026.
Reputationsschäden
Fehlgeleitete KI-Inhalte werden schnell öffentlich. Die EU-Kommission leitete im Januar 2026 ein Verfahren gegen X ein, nachdem Grok sexualisierte Deepfakes erzeugt hatte.
Gegenmittel: Klare Regeln für öffentliche KI-Inhalte, Freigabeprozesse, Krisenplan.
Quellen
Quelle: Al Jazeera, 26.01.2026, abgerufen am 29.09.2026.
Preissteigerungen und Anbieterrisiko
OpenAI rechnet für 2026 mit rund 14 Mrd. $ Verlust. Solche Lücken können sich später in höheren Preisen oder engeren Nutzungsgrenzen niederschlagen. Anbieter können auch Zugänge kappen, wie der Fall Cursor zeigt.
Gegenmittel: Mehrere Modelle nutzbar halten, Preisbindung verhandeln, Kosten laufend messen.
Quellen
Quelle: Forbes, Sept. 2026, abgerufen am 29.09.2026.
Schatten-KI
Beschäftigte nutzen private Konten, wenn die Firma kein Werkzeug bereitstellt. Das Arbeitsgericht Hamburg sah 2024 bei privat genutztem ChatGPT kein Mitbestimmungsrecht, die Firma hatte aber auch keine Kontrolle über die Daten.
Gegenmittel: Ein freigegebenes Werkzeug bereitstellen, klare Richtlinie, Schulung.
Quellen
Quelle: ArbG Hamburg, 16.01.2024, 24 BVGa 1/24, abgerufen am 29.09.2026.
Fördermittel und Unterstützung
Forschungszulage (Bund)
Steuerliche Förderung für Forschung und Entwicklung, auch für die Entwicklung eigener KI-Lösungen. Seit 2026 bis 12 Mio. € Bemessungsgrundlage, 25 % Förderung (max. 3 Mio. € pro Jahr), für KMU 35 % (max. 4,2 Mio. €). Die reine Einführung fertiger Werkzeuge ist in der Regel keine Forschung.
Quellen
Quelle: IHK Schwaben: Steuerliche Forschungszulage, Verbesserungen ab 2026, ihk.de, abgerufen am 29.09.2026.
Mittelstand-Digital Zentren (Bund)
Kostenfreie Beratung, Workshops und Umsetzungsprojekte zu KI für kleine und mittlere Unternehmen. Das bisherige Netz läuft Ende 2026 aus; ab 2027 startet ein neu aufgestelltes Netzwerk mit Schwerpunkt KI, Digitalisierung und IT-Sicherheit, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium.
Quellen
Quelle: BMWE: Mittelstand-Digital, bundeswirtschaftsministerium.de, abgerufen am 29.09.2026.
Digitalbonus Bayern (Land)
Für Bayern: Zuschuss bis 7.500 € (Standard) bzw. 30.000 € (Plus) bei 50 % Förderquote; KI-Projekte sind ausdrücklich förderfähig. Für Firmen unter 50 Beschäftigten, Laufzeit bis 31.12.2027. Andere Länder haben eigene Programme.
Quellen
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Digitales: Digitalbonus Bayern, digitalbonus.bayern, abgerufen am 29.09.2026.
Kostenlose Beratung zur KI-Verordnung
Der KI-Service-Desk der Bundesnetzagentur beantwortet Fragen zur KI-Verordnung; KI-Reallabore ermöglichen geschütztes Testen.
Quellen
Quelle: Bundesnetzagentur, KI-Service-Desk, KI-Reallabore, abgerufen am 29.09.2026.
Steuerung durch Vorstand und Aufsichtsrat
Wer verantwortet KI?
Weltweit sagen 28 % der KI-nutzenden Unternehmen, dass der CEO die KI-Governance verantwortet, 17 % nennen den Aufsichtsrat bzw. Board. Die Verantwortung auf CEO-Ebene hängt laut McKinsey am stärksten mit messbarem Ergebnisbeitrag zusammen, besonders in großen Unternehmen.
Empfehlung: Ein Vorstandsmitglied verantwortet KI; der Aufsichtsrat lässt sich regelmäßig berichten, weil KI-Risiken ins Risikomanagement gehören.
Quellen
Quelle: McKinsey & Company (2025): The State of AI, März 2025, mckinsey.com (PDF), abgerufen am 29.09.2026.
Kennzahlen für den Vorstandsbericht
- Aktive Nutzung: Anteil der Lizenzen, die wöchentlich genutzt werden
- Produktive Anwendungsfälle und eingesparte Stunden je Fall
- Kosten je Anwendungsfall (inkl. Integration und Betrieb)
- Qualität: Fehlerquote, Beschwerden, Nacharbeit
- Schulungsquote nach Art. 4 KI-Verordnung
- Sicherheitsvorfälle, Datenschutzmeldungen
- Anteil sensibler Daten in souveränen bzw. EU-Werkzeugen
Quellen
Quelle: Eigene Empfehlung.
Ausblick: die nächsten 12 bis 24 Monate
Geplante und angekündigte Ereignisse; Termine können sich verschieben.
Quellen
Quellen: laufend: www.mckinsey.com · Nov. 2026: www.investing.com · 12.11.2026: openai.com · 2027: fortune.com · 2027: www.telekom.com · 02.12.2027: ai-act-service-desk.ec.europa.eu, abgerufen am 29.09.2026.
Datenlücken dieser Seite
Damit Entscheidungen auf dem richtigen Fundament stehen:
Tool-Anteile nur für große Anbieter
Bitkom fragt nur eine feste Liste von Werkzeugen ab (2026: elf Tools). Für Aleph Alpha, DeepL, Amazon Q und viele Spezialwerkzeuge gibt es keine aktuellen Anteile in deutschen Firmen.
Versicherungen ohne deutsche Quote
Für Versicherer gibt es keine amtliche oder repräsentative deutsche Zahl; nur EU-Werte (EIOPA) und die allgemeine Aussage des GDV.
Mittelstand nach Branchen
Amtliche Branchenwerte (Eurostat) gibt es für Firmen ab 10 Beschäftigten, aber nicht kombiniert nach Größe und Branche für Deutschland.
Nutzerzahlen einzelner Anbieter
Anthropic, Mistral und Perplexity veröffentlichen keine Nutzerzahlen; Schätzungen gehen weit auseinander und sind deshalb nicht enthalten.
Wenige Messwerte in Fallbeispielen
Unternehmen veröffentlichen selten harte Ergebnisse. Die Beispiele zeigen deshalb oft Nutzung statt Ersparnis.
Schnelle Veraltung
Bewertungen, Preise und Ranglisten ändern sich wöchentlich. Stand aller Angaben: 29.09.2026.